März 2022 Zons und ein bisschen Hattingen

…Trommelwirbel… unsere erste Tour 2022 und die ist etwas ganz Besonderes. Das erste Mal seit 19 Jahren sind wir Beiden alleine unterwegs, wobei stimmt nicht ganz, den Hund haben wir auch mit. Die Kinder hüten derweil das Haus und kommen ihren schulischen Verpflichtungen nach. Unsere Arbeitsverpflichtungen haben wir ein paar Tage auf Eis gelegt und Urlaub genommen. So sind wir von Mittwoch bis Sonntag unterwegs.  

Als staatlich äh… family anerkannter Urlaubsplaner bin ich natürlich auch für die Vorbereitung dieser Tour verantwortlich. Als Ziel habe ich Zons auserkoren. Zons? – Wie? Ihr kennt Zons nicht? Das niedliche Mittelalterstädtchen bei Dormagen zwischen Düsseldorf und Köln. Tröstet euch, in meinem Bekanntenkreis war Zons auch unbekannt.  

an der Stadtmauer

Zons

Zons kenne ich wegen Catherine Shepherd. – Wie? Die kennt ihr auch nicht? Da tun sich aber langsam Bildungslücken auf 😉 Catherine Shepherd gehört mit über 3 Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten Thriller-Autoren Deutschlands. Angefangen bin ich mit ihren Büchern über die Ermittlerin Laura Kern vom Landeskriminalamt Berlin und die zweite Serie über die Rechtsmedizinierin Julia Schwarz. Die Bücher haben mich regelmässig gefesselt und daher habe ich mich dann auch ihrer dritten und bekanntesten Reihe, den Zons-Thrillern zugewandt. Aber warum erst so spät? Die Zons-Thriller spielen in zwei Zeitebenen, Mittelalter und Gegenwart. Da ich eigentlich kein Fan von historischen Thrillern bin, habe ich diese Bücher erst ignoriert, habe mich dann aber doch drangewagt und bin sehr froh darüber. In den Büchern wechseln sich die Zeitebenen immer wieder ab und sind irgendwie auch miteinander verbunden. Lässt sich schwer erklären. Muss man einfach selbst mal lesen. Jetzt Ende März ist gerade der 12. Zons-Thriller “Die Rezeptur” erschienen. Ist schon auf meinem Kindle drauf und wird als nächstes gelesen. Grundsätzlich kann man natürlich jederzeit einsteigen, ich empfehle aber die Reihenfolge einzuhalten und dann mit “Der Puzzlemörder von Zons” zu starten. 

Bevor ich jetzt endlich etwas über Zons schreiben kann, noch ein interessanter Fact. Ein Teil des Parkplatzes war abgesperrt und von einem Filmteam in Beschlag genommen. War gar nicht so einfach herauszufinden welcher Film hier gerade gedreht wird. Mit Hartnäckigkeit und mehrfacher Internetrecherche habe ich das dann aber herausgefunden. Im Auftrag von WDR und ARD Degeto werden in Zons Teile der zweiten Staffel von “Unsere wunderbaren Jahre” gedreht. Mir persönlich sagt diese Serie nichts. Sie spielt wohl in den späten 60er Jahren, was man auch an den Requisitenautos und den bekleideten Schauspielern erkennen konnte. Hauptakteurin ist Katja Riemann, die wir jedoch nicht gesehen haben. Auch von den Filmaufnahmen hat man leider nichts mitbekommen, da die entsprechenden Abschnitte in der Stadt großräumig abgesperrt waren. Schade. 

Humor haben sie auch in Zons

So, jetzt geht’s aber endlich los mit Zons. Zons ist eine Ortschaft direkt am Niederrhein mit knapp 5.500 Einwohnern und gehört seit 1975 zu Dormagen, darf sich aber weiterhin Stadt nennen. Damit gibt es jetzt eine Stadt in der Stadt 😉 Die Ernennung zur Stadt erfolgte bereits 1373 durch den Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden. Auf dem Parkplatz am Rheintor ist offiziell platz für 6 Reisemobile, wenn man aber ein bisschen enger parkt, passen auf 9-10 Mobile dorthin. Strom gibt es auch (allerdings 70 Cent pro kw/h), Ver- und Entsorgung allerdings nicht. Tagsüber von 9:00 – 20:00 Uhr kostet das Parkticket 6 €, Nachts frei. Stehen darf man hier maximal für 3 Tage. Untergrund ist Schotter bzw. Rasen. Im Trockenen kein Problem, bei Regen wahrscheinlich nicht so angenehm. Da wir aber die Sonne mitgebracht haben, ist alles im grünen Bereich. Am Mittwoch standen hier nur drei Mobile, am Samstag war dann alles voll. Es wäre nicht schlecht, wenn die Stadt noch weitere Stellplätze ausweisen könnte. 

der Beweis

Das besondere an Zons ist die Stadtmauer, die die Altstadt komplett umschließt. Man kann entweder innen dran lang gehen, oder aussen herum. Beides lohnt sich. Hoch auf die Mauer oder auf einen Turm ist leider nicht möglich. Für einen ersten Rundgang bieten sich für Geocacher die beiden Labcaches “Ein Koala entdeckt Zons” Part 1 und Part 2 an. Damit kann man sich einen sehr guten ersten Eindruck verschaffen. 

Leider gab es in Zons insgesamt drei große Stadtbrände, 1464, 1547 und 1620, die viele Gebäude vernichtet haben. Daher stammen die ältesten Wohngebäude “nur” von 1620. Das sind aber auch schon über 400 Jahre. 

Rheintor

Das erste markante Gebäudeensemble was einem hier auffällt ist natürlich das Rheintor mit dem Zollhaus, Rhein-, Zoll- oder Petersturm und die Rheintorkapelle. Der 1388 erbaute Rheinturm ist hier das älteste Gebäude. Wann das weiße Zollhaus erbaut wurde, habe ich nicht herausgefunden. Die Rheintorkapelle wurde zumindest erst 1860 errichtet und gehört damit nicht zu den mittelalterlichen Gebäuden. Im Zollhaus, bzw. Im Turm  wurde, wie der Name schon sagt, die von den Schiffern erhobenen Zollgelder verwahrt. Zudem diente der Turm auch der Stadtverteidigung. 

Rheintor

Pfefferbüchse

Die umgangssprachlich genannten Pfefferbüchsen sind kleine Türme in der Stadtmauer von denen noch 2 erhalten sind. Den Standort des dritten kann man erahnen, da die Steine der Stadtmauer hier etwas heller sind. Die südliche Pfefferbüchse diente sogar noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Gefängnis. 

Rheinstraße mit Pfefferbüchse

Schloßplatz

Der heutige Schloßplatz diente bis zum Jahre 1829 als Marktplatz. Vermutlich hielten sich dort vor 500 Jahren auch die Händler aus den Zons-Thrillern von Catherine Shepherd auf. Hier treffen sich die Rheinstrasse, die vom Rheintor her kommt und die Schloßstraße aus Richtung des ehemaligen Feldtores. Auf der Ecke Schloßstraße befindet sich auch die Touristeninformation. 

Burg Friedestrom

Die Burganlage Friedestrom wurde 1373 erbaut, zumindest wurde in diesem Jahr angefangen. Ich vermute mal das das ein paar Jahre gedauert hat. Laut den Zons-Thrillern muss es hier früher auch noch ein Kloster gegeben haben. Das könnte ein Teil der Burganlage gewesen sein, ich vermute aber eher das das auf der Freifläche am jetzigen Kreisarchiv gestanden hat. Ich kann mir nicht vorstellen, das diese Fläche hier damals ebenfalls war. Da es ja schon den großen Schloßplatz gab, macht das nicht so wirklich Sinn.  

Die Burganlage ist nachts schön beleuchtet. Vom Schloßplatz kommt man aber dann leider nicht in den Innenhof, sondern nur von aussen über den Torturm der Burg, falls das Eingangstor nicht verschlossen ist. 

Burgturm bei Nacht

Juddeturm

Der Juddeturm ist eines der eindrücklichsten Gebäude in Zons, insbesondere wenn man weiß wozu der damals da war. Im Inneren befindet sich nämlich ein 11 Meter in die Erde gehendes Verließ und oben Öffnungen durch die Pech oder andere Sachen geschüttet werden konnten. Vorm Neubau der Kirche war der Turm mit 36 m das höchste Gebäude in Zons. Leider kann man den Turm nicht von innen besichtigen. 

Juddeturm

Windmühle

Die historische Windmühle wurde 1390 erbaut und zwischen 2008 und 2010 umfassend renoviert. Im Sommer kann man die Mühle auch von innen besichtigen.  

Windmühle

Schweinebrunnen

Der Schweinbrunnen wurde erst im Jahr 1959 errichtet. Er erinnert an die Zonser Schweinefehde von 1575 bis 1577. Jetzt wollt ihr sicher wissen was die Schweinefehde war, oder? – Na gut, ich will mal nicht so sein. Die Schweinefehde war ein Disput zwischen dem Kölner Erzbischof Salentin von Isenburg und dem Kölner Domkapitel. Es ging natürlich ums Geld, genauer gesagt um den Rheinzoll. In Zuge dieses Konfliktes stahlen die Soldaten des Erzbischofs 50 Schweine von der Zonser Weide 

Da die Zonser Bürger siegreich aus dem Konflikt hervorgingen wurden Sie mit Geld entschädigt. Als Ersatz für die geraubten Schweine steht jetzt hier der Brunnen und dient als beliebtes Fotomotiv. 

Schweinebrunnen

Krötschenturm

An der nordwestlichsten Ecke der Stadtbefestigung befindet sich der Krötschenturm. Auch dieser war früher einmal ein Gefängnis und diente später im 17. Jahrhundert wohl auch als Isolierstation für Pestkranke. Daher kommt angeblich auch der Name, den “krötsch” bedeutet so viel wie “kränkliche Person”. 

 

Krötschenturm

In den drei Zonser Tagen sind wir sehr viel zu Fuß unterwegs gewesen. Nicht nur in der Altstadt, sondern auch am Rhein lang bis Stürzelberg und in der Zonser Heide. Da der Aufenthalt hier auf drei Tage begrenzt ist, wollen wir uns auch daran halten und anderen Campern auch die Chance lassen. Eine weiteren Tag haben wir noch zur Verfügung, also suchen wir uns noch ein Ziel auf dem Rückweg aus. 

Hattingen

So ganz wollen wir von “alten Städten” und großen Flüssen noch nicht weg, so fällt die Wahl für die letzte Übernachtung auf Hattingen. Allerdings wäre das stellplatzmässig fast schiefgegangen. Ziel war eigentlich der Wohmobilstellplatz Ruhrtal. Allerdings war dieser bei Ankunft hoffnungslos überfüllt. Gut das es ein paar Meter vorher noch einen weitern Stellplatz gibt, der Wohnmobilstellplatz am Landhaus Grum. Der eigentliche Wohnmobilstellplatz ist allerdings ebenfalls überfüllt, aber es gibt hier Glücklicherweise noch eine große Ausweichwiese und die hat noch genügend freien Platz. Da die Sonne weiterhin so schön scheint, können wir es uns hier draußen schön gemütlich machen. Mit 15 Euro aber nicht gerade billig, vor allem wenn man das direkte Umfeld betrachtet. Überall Baustelle (hier wird noch ein hochwertiges Hotel gebaut), und dementsprechend auch überall Baumaterial. Die Toilettenentsorgung neigt zur Verstopfung und nur wenig Toiletten für so viele Wohnmobile. 10 Euro wären hier eher angemessen, aber ist halt Ruhrpott. 

Nee, nicht Zons, sondern Hattingen.

Aber noch kurz zur Innenstadt, die sich ca. 1,2 km vom Stellplatz entfernt befindet. Auch die Hattinger Altstadt ist sehr schön mit verwinkelten Gassen und auch die Stadtmauer ist noch an einigen Stellen zu sehen. Ein ausgedehnter Stadtbummel lohnt hier auf jeden Fall. Auf der anderen Seite direkt hinterm Stellplatz fließt die Ruhr. Hier kann man auf einem kombinierten Fuß- und Radweg wunderbar spazieren gehen. 

drei besondere Männlein ;-)

Fazit

Auch ein Wohnmobilurlaub zu dritt, also Ehemann, Ehefrau und Hund ist echt toll, besonders wenn das Wetter so genial mitspielt wie bei uns. Morgens zwar immer ar…kalt, aber den ganzen Tag über Sonne pur. Hoffentlich bleibt uns das Wetterglück auch bei den weiteren Touren hold. Zons ist definitiv eine Reise wert und auch Hattingen lohnt sich.  

Auf der nächsten Tour ist unsere Tochter dann aber auch wieder mit an Bord. 

Auch der Omnia ist geil. Wir haben ihn diesmal zum „glühen“ gebracht, also nicht wortwörtlich, sondern jeden Tag ein- bis zweimal benutzt. Das erste Mal auch mit der neuen großen 3-l-Unterteil.

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