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Hamburg 2023

Verlängertes Wochenende in Hamburg, aber nur Maya mit Papa. „Schuld“ ist Leon, da der uns zu Weihnachten einen Musicalgutschein für die Eiskönigin in Hamburg geschenkt hat.

Recherchen im Internet ergeben, das die Tickets für Sonntagabends am günstigsten sind und als hätte Mayas Schule das gewusst, am Montag nach der Zeugnisausgabe ist schulfrei wegen pädagogischer Tag und diese Chance nutzen wir natürlich. Samstags hin, Sonntags drin, Montags nicht hin sondern weg.

Eigentlich ist erst Auto geplant, aber aufgrund des zu erwarteten Winterwetters schwenken wir doch auf Zug um. So kommt Maya auch zu ihrer ersten ICE-Fahrt. So schnell hat sie sich bisher noch nie fortbewegt. Mit über 200 km/h über die Gleise. Kostentechnisch lohnt sich das auch noch, da Maya noch unter 14 Jahre ist und damit kostenfrei mitfährt.

größte Turmuhr Deutschlands am Michel

Anreise und Hotel

Um von uns aus mit dem Zug nach Hamburg zu kommen, müssen wir 4 Bahnhöfe betreten. Wer jetzt richtig mitrechnet, weiß das wir 3 verschiedene Züge nehmen. Um 7:35 Uhr gehts morgens in Hövelhof los mit der Nordwestbahn zum Hauptbahnhof Bielefeld. Schon hier macht die Bahn ihrem Ruf alle Ehre. Der ICE hat knapp 30 Minuten Verspätung und auf dem Bahnsteig ist es saukalt und windig. Die Fahrt im verspäteten Zug klappt reibungslos. Mit einem kleinen Sprint schaffen wir auch unseren Anschluss-ICE nach Hamburg, wo wir gegen 11:30 Uhr ankommen.

Der Hamburger Bahnhof gleicht einem Wimmelbild. Unglaublich was hier an Menschenmassen unterwegs ist. Dann finden hier auch noch Umbauarbeiten statt und die Hinweisschilder besonders zu den U-Bahngleisen sind auch verwirrend. So tappen wir in den knapp 52 Stunden Hamburg gleich zweimal in die gleiche Falle und stehen zwar an der richtigen U-Bahnlinie, aber in die falsche Richtung. Da sind wir Landeier einfach überfordert.

Wir übernachten nicht direkt in der Innenstadt, sondern im H4 Hotel Bergedorf, knapp 21 S-Bahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und deutlich günstiger. Nach detaillierter Internetrecherche bekommen wir hier ein Standarddoppelzimmer inkl. Frühstück und 2 Nächte für 166 € und ein paar Zerkwetschte. Definitiv ein guter Kurs und damit deutlich günstiger wie die 2 Musicaltickets.

Ein paar Infos zum Hotel, das Personal ist sehr zuvorkommend und freundlich. Eigentlich kann man hier erst ab 15 Uhr einchecken, daher wollen wir vorab unsere Koffer abgeben. Da das Zimmer schon frei ist, können wir sogar sofort beziehen. Die Koffer geben wir dann erst bei Abreise ein paar Stunden in Verwahrung. Das Frühstücksbuffet ist sehr gut und reichhaltig. Wer hier nicht satt wird, ist selbst schuld. Das Zimmer ist recht klein, ist ja auch die kleinste Kategorie, und besonders das Bad ein bisschen in die Jahre gekommen. Die Betten sind aber hervorragend, schöne und feste Matratze auf der man sehr gut nächtigen kann. Die Nespressomaschine haben wir nicht gebraucht, aber der Wasserkocher ist mehrfach für Teezubereitung aktiv gewesen. Negativ fällt auf, das es nur eine Sitzgelegenheit bei zwei Personen gibt. Einen Kühlschrank gibt es leider auch nicht. Alles in allem ist das Preis-/Leistungsverhältnis aber wirklich gut. Nur den 4. Stern, den können wir nicht finden.

UPS mit Pedalantrieb

Medizinhistorisches Museum im UKE

Die UKE ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das am 17. Mai 1889 eingeweiht wurde. Neben vielen Fachkliniken gibt es hier auf dem Gelände einige Geocaches und das medizinhistorische Museum. Das Museum zeigt die Entwicklung der Medizin seit Mitte des 19. Jahrhunderts und befindet sich im zwischen 1913 und 1926 errichteten Fritz-Schumacher-Haus, das damals unter anderem auch das Pathologische Institut beherbergte. Die zwei Highlights sind einmal der restaurierte Sektionssaal mit den alten originalen Sektionstischen und die Moulagenausstellung, die für Kinder eher weniger geeignet ist. Wisst ihr was Moulagen sind? – Wusste ich vorher auch nicht. Moulagen sind Wachsnachbildungen von Krankheitssymtomen auf dem Körper.

Erwachsene zahlen 6 € Eintritt, Kinder- und Jugendliche unter 16 Jahre sind frei, dafür ein Daumen hoch. Die Ausstellung an sich ist durchaus interessant und lohnenswert.

Original-Pathologietisch

Frau Möller

Abends gehts dann noch nach Frau Möller. An was ihr jetzt schon wieder denkt. Tssss ;-) Ich habe doch meine Tochter dabei. Frau Möller ist bzw. war ein Hund. Jetzt habe ich euch komplett verwirrt, oder?

Na, dann will ich mal auflösen. Frau Möller ist eine typische Hamburger Kneipe und widerspricht auf den ersten Blick allen Regeln der modernen Managementlehre, laut Zitat auf der Website. Und das stimmt auch, aber kommt einfach selbst einmal vorbei. Einfache deutsche Küche (sehr lecker) und eine große Auswahl an gezapften Bieren, insbesondere irischen. Dieser Punkt ist für uns natürlich völlig irrelevant. Die Öffnungszeiten sind total irre. Mo.-Do.  von 8 Uhr morgen bis nachts um 4 Uhr, Fr. und Sa. sogar bis 5 Uhr und So. bis 3 Uhr. Und bevor ich die Auflösung noch vergesse, 1983 einen Tag vor der Eröffnung wurde die Belegschaft zur Abstimmung zusammengetrommelt, wie die Kneipe denn nun heißen soll. Ergebnis, Einstimmig „Frau Möller“, der Name des Hundes des Besitzers.

Wir sind hier zum essen. Angeblich gibts hier die besten Bratkartoffeln Hamburgs. Ob wirklich die besten Bratkartoffeln sind, können wir natürlich nicht beurteilen. Für ein qualifiziertes Urteil bräuchten wir wahrscheinlich Jahre um uns durch alle Bratkartoffelangebote in allen Kneipen zu futtern, aber gut sind sie definitiv.  Einmal Bratkartoffeln mit Schnitzel und einmal mit Leberkäse. Sehr lecker und preiswert. Auch Burgerfans kommen hier voll auf ihre Kosten.

lecker wars

Friedhof Ohlsdorf

Ja, wir gehen auch auf den Friedhof. Das ist aber auch ein ganz besonderer Friedhof, der Friedhof Ohlsdorf ist nämlich mit 389 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Mit der Zahl könnt ihr wahrscheinlich nicht viel anfangen, daher ein bisschen plastischer, 389 Hektar entspricht 545! Fußballfelder.

Noch ein paar Zahlen, die einen schier staunen lassen:

  • seit Friedhofseröffnung 1877 knapp 1,4 Millionen Beisetzungen
  • jährlich um die 4.700 Beisetzungen, das sind pro Tag 13 Beerdigungen
  • über 800 Skulpturen
  • über 36.000 Bäume
  • 15 Teiche
  • ca. 235.000 Grabstellen
  • 12 Kapellen
  • 17 km Straßennetz
  • 2 Buslinien mit 22 Haltestellen

Ja, ihr habt richtig gelesen, 2 Buslinien. Total crazy, oder? Wir sind aber zu Fuß unterwegs. Einfach ein bisschen schlüren und cachen. Insgesamt sehen wir natürlich im wahrsten Sinne des Wortes nur einen Bruchteil des Geländes (arschkalt heute morgen), aber selbst das ist schon sehr eindrücklich und gehört zu einem Hamburgbesuch ab sofort immer dazu.

Hier sind sehr viele Prominente beerdigt. Gesehen haben wir die Gräber von Inge Meysel, Helmuth Karasek und Carl Hagenbeck. Ein paar weitere Prominente die hier beerdigt sind: Jan Fedder, Uwe Seeler, Helmut Schmidt, Heinz Erhardt, James Last, Roger Willemsen und unzählige weitere…

Hagenbecks Grab wird bewacht

Eiskönigin

Ich muss ja gestehen, ich bin nicht so der Musicaltyp. War bisher auch nur bei Starlight-Express, das fand ich richtig cool, insbesondere wegen der Rollschuhaction und Phantom der Oper, das fand ich total öde. Wenns sich also irgendwo dazwischen eingruppiert, ist das in Ordnung.

Von der Story habe ich überhaupt keine Ahnung, so gibt es von Maya kurz vorher noch einen kurzen Crashkurs. Vielen Dank dafür. Bei den Kartenpreisen muss man schon ziemlich heftig schlucken. Es heißt zwar immer ab 62,90 Euro, aber diese Tickets bekommt man nur sehr selten und nur in der „schlechtesten“ Kategorie oben ganz weit hinten in der Ecke. Von diesen Plätzen sieht man dann leider auch nicht alles, daher macht das nicht wirklich viel Sinn. Mit am günstigsten ist es Sonntagsabends in der 19:00 Uhr Vorstellung, Kinderticket in der Kategorie 1 109,95 €. Da es begrenzt Familientickets gibt, hat auch mein Ticket „nur“ 109.95 € gekostet. Für die teuersten Tickets Premium 1. Reihe zahlt man je nach Vorstellung schonmal bis zu 189,90 €, das ist schon ziemlich heftig.

Aber schauen wir mal, was wir für unsere 109,95 € Tickets so geboten bekommen. Wenn man nicht mit Auto kommt, gehts per Shuttleboot von den Landungsbrücken rüber zur Musicalhalle. Am Einlass wird einem die Tür von einem elegant gekleideten Herren persönlich geöffnet. Wahrscheinlich soll damit von den hohen Getränke- und Merch-Preisen abgelenkt werden. Die finde ich schon ziemlich unverschämt. 0,2l antialkoholisches Getränk 3,70 €, ein schnöder Eiskönigin-Turnbeutel 20,00 € und eine Frozen-Wasserflasche, zwar Aluminium und 500ml, aber 25,00 € um mal nur ein paar Preise zu nennen. Da wirds für Familien mit kleinen Kindern schon ziemlich schwierig.

Der Saal ist ziemlich groß. Auf zwei Ebenen passen hier 1850 Leute rein. Ausverkauft ist aber nicht. Die Plätze sind bequem und haben eine gute Sicht auf die Bühne. Die Wahl der Kategorie 1 ist auf jeden Fall richtig. Zum Musical muss ich tatsächlich sagen, das hat mir recht gut gefallen. Reiht sich zwar knapp hinter Starlight-Express ein, aber weit vor Phantom der Oper. Die Geschichte wird sehr gut erzählt bzw. besungen. Das Bühnenbild ist echt der Kracher, extrem aufwendig inkl. einiger Spezialeffekte. Ebenfalls cool, die Musik kommt nicht von Band, sondern von einer Band im Orchestergraben, bzw. hier eher Keller.

Fazit: Die knapp 110 € sind schon nicht ganz ohne, aber wenn man das Gesamtbild sieht, Darsteller, Kulisse, Orchester, ist der Preis schon in Ordnung. Getrübt wird das Ganze allerdings von den Nebenkosten, die wie schon geschrieben, einfach überteuert sind.

Eiskönigin

Leider gehts am Montag schon wieder zurück. Der Zug ist extra erst für Nachmittags gebucht, so haben wir noch Zeit ein bisschen durch Hamburg zu schlendern und das tolle Wochenende ausklingen zu lassen.

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