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Novemberwochenende am Großen Meer

Da war doch noch was… ein Mydays-Gutschein. Den müssen wir unbedingt noch einlösen und entscheiden uns für 2 Übernachtungen mit einem Abendessen im Landhotel Großes Meer in Südbrookmerland.

winterlicher Ditzumer Hafen

22.11.2024 – Ditzum, Südbrookmerland

271 km Anreise, mit Abstecher nach Ditzum 301 km, also gehen wir es ganz entspannt an und fahren gegen 10:30 los. Während der Fahrt werden wir vom Regen begleitet und in Ostfriesland trauen wir unseren Augen nicht, hier liegt Schnee! und nicht gerade wenig. Was war denn hier los?

Erster Stopp ist in Ditzum, ein kleines Dorf an der Ems in der Nähe des Dollart. Niedliches Dörfchen mit niedlichem Hafen und für Moni die bisher besten Kibbelinge. Leider hat uns die Kälte und der Regen schnell wieder ins Auto getrieben. Irgendwann schauen wir uns hier bei besserem Wetter nochmal um.

Weiter gehts zum Ziel unser Landhaus Großes Meer. Als wir dann auf die Zufahrtsstraße abbiegen denke ich mir, das kenne ich doch hier und es stellt sich heraus, als wir im Sommer von Wilhelmshaven unseren Emdenausflug unternommen haben, sind wir doch glatt direkt am Hotel vorbeigefahren. Zufälle gibts.

Das Hotelzimmer ist recht klein und hat leider auch nur zwei Hocker als Sitzgelegenheit. Ein Wasserkocher ist ebenfalls nicht vorhanden. Das Bett hat aber vernünftige Matratzen und man kann ohne Rückenschmerzen die Nacht verbringen, das haben wir auch schon anders erlebt. Im Arangement ist noch für heute Abend ein Dreigängemenü enthalten. Das Restaurant ist uneingeschränkt empfehlenswert. Als Vorspeise gibts eine leckere Kartoffelsuppe, zum Hauptgang bekommt Moni ein Schollenfilet und ich kann mich am Kohlbüffet bedienen. Als krönenden Abschluss wartet noch eine Crème Brûlée.

Kessel der Kesselschleuse

23.11.2024 – Emden, Greetsiel, Norden

Für unseren einzigen vollen Tag habe ich mir vorab grob eine Rundtour zusammengestellt. Das Wetter ist glücklicherweise nach dem vielen Wasser von oben gestern, heute deutlich besser. So gehts als erstes nach Emden zur Kesselschleuse. Über diese Attraktion bin ich bei einer Google Maps Suche gestolpert. Dieses Bauwerk ist einzigartig in Europa. Könnt ihr mit dem Begriff „Kesselschleuse“ etwas anfangen? – Wahrscheinlich nicht, aber wir vorher auch nicht. Eine Kesselschleuse ist eine Rundkammerschleuse die gleich 4 Wasserstraßen verbindet. Dabei hat der Kessel, also die Zentralkammer in der Mitte, einen Durchmesser von 33 Metern und von hier aus können die Schiffe eine der 4 Schleusenkammern nehmen.

Anschließend geht es weiter nach Greetsiel. Auf dem Parkplatz kommt gleich Wehmut auf, da wir direkt neben dem Greetsieler Wohnmobilstellplatz stehen. Ist auch ordentlich was los. Über 20 Mobile stehen hier heute. Damit hätten wir nicht gerechnet. (Winter)-Camping wird wohl immer beliebter.  Aufgrund mangelnder wintertauglichkeit des Mobils kommt das für uns zur Zeit leider nicht in Frage. Eigentlich wollen wir hier in Ruhe einen Kaffee bzw. Capppuchino trinken, allerdings ist hier heute der sprichwörtliche Hund begraben. Nix los und fast alles zu. So bleibt es bei einer kleinen Spazierrunde. Schade. Funfact am Rande, in Greetsiel finden jedes Jahr die Wältmeisterschaft statt, ein Schlickschlittenrennen mit verschiedenen Disziplinen. Los gehts mit 50 m Aalsprint, direkt anschließend 50 m Sprint mit dem Schlitten und abschließend 150 m Reusenlauf. Das alles natürlich im tiefen Schlick. Andere sagen auch Schlammschlacht dazu.

Weiter gehts nach Norden, nicht nur Richtung Norden sondern direkt nach Norden ;-) ins Ostfrisische Teemuseum, das sich mitten in der Stadt befindet. Auf mehreren verwinkelten Ebenen lernt man hier alles und zwar wirklich alles über Tee. Die Austellung ist sehr vielfälltig und sehr interessant. Gut zwei Stündchen sollte man aber einkalkulieren. Garniert wird das Ganze dann auch noch mit Norder Stadtgeschichte. Anschließend empfiehlt sich ein Stadtbummel mit Einkehr ins Cafe Remmers zu einer Tasse Kaffee, Cappuchino oder stilecht Tee.

By the way, wisst ihr eigentlich wer Weltmeister im Teetrinken ist? – Man kann es sich ja vielleicht ja schon denken, es sind die Ostfriesen. Ein Pro-Kopf-Verbrauch von 300 Litern pro Jahr ist schon eine Hausnummer. Da kommen nicht mal die Libyer und Türken mit, die trinken nur 287 bzw. 277 Liter jährlich. Die ostfriesische Teekultur befindet sich sogar auf der nationalen Liste des „immateriellen UNESCO-Kulturerbes“.

Greetsiel

24.11.2024 – Vesting Bourtange

Ein Kurzurlaub ist nunmal nur ein Kurzurlaub und so ist heute schon wieder Ende. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Heimweg. Ein Zwischenstopp ist aber noch eingeplant. Ich habe auf Google Maps noch was interessantes sternförmiges gesehen, zwar in den Niederlanden aber unmittelbar hinter der Grenze und somit vielleicht 10 Kilometer Umweg.

Wir beamen uns heute zurück ins Jahr 1742 und besuchen das toll restaurierte Festungsstädtchen Bourtange. Der Zugang zu dieser tollen Location ist jederzeit kostenfrei möglich, nur für die Museen muss man Eintritt bezahlen. Es gibt hier sogar ein Hotel, Restaurant und Cafe.Mit den Kanonen hier wird sogar noch regelmässig geschossen. Glücklicherweise im November aber nicht mehr. Laute Knallgeräusche sind nix für mich. Interessant sind auf jedenfall die Toiletten, nicht die die wir jetzt nutzen, sondern die die damals genutzt wurden. Ganz einfach und prakmatisch ein Häuschen über dem Wassergraben mit offener Rinne nach unten. Also alle Fäkalien ab in den Graben.

Ebenfalls gibt es hier einen schönen und sehr informativen Labcache. Leider kann man sich die Texte anschließend nicht mehr anschauen, ansonsten hätte ich hier noch ein paar interessante Details zum Besten geben können.

Vesting Bourtange

Bonus: Ostfrisische Teezermonie

Heute gibt es noch einen Bonus. Eine Anleitung für eine echte ostfrisische Teezermonie.

Auf dem Tisch sollte natürlich eine stilechte flache und breite Tasse stehen. Wer hier einen schnöden „Kaffeepot/-becher“ nimmt wird gleich disqualifiziert und nie wieder zum Teetrinken eingeladen. Zudem sind mindestens 3 Tassen Tee Pflicht, alles andere ist „Majestätsbeleidigung“. Aber ich schweife ab.

Als erstes kommt ein großes Stück Kluntje (Kandis) in die Tasse und anschließend wird langsam der Tee eingegossen, der aber mindesten 5 Minuten gezogen sein muss. Nur wenn der Kluntje schön knackt ist der Tee heiß genug. Jetzt aufpassen, es wird kompliziert. Nun kommt die Sahne dran, aber auf keinen Fall einfach reinkippen, das wäre wieder Disqualifikation. Mit einer kleinen Kelle wird die Sahne im Innenrand der Tasse gegossen aber auf keinen Fall im Uhrzeigersinn. Immer nur gegen den Uhrzeigersinn, denn nur so kann man wirklich die Zeit anhalten. Jetzt schon trinken ist aber tabu. Erstmal die schönen Sahnewölkchen beobachten, die sich durch das eingießen der Sahne auf dem Tee bilden.

Ach ja, nicht wundern, selbstverständlich gießt sich der Gastgeber zuerst ein und probiert auch zuerst, schließlich muss er erstmal prüfen ob der Tee wirklich gelungen ist. Danach seit ihr dann als Gast dran. Aber bloß nicht so wegsaufen. Schlürfen ist angesagt und zwar schichtweise, erst die Sahne, dann der bittere Tee und zum Schluss der zuckersüße Teil. Der Kluntje bleibt dann auch in der Tasse und wird wieder von neuem übergossen.

Habt ihr jetzt gedacht, alle Hürden genommen? Nein, ganz wichtig ist der kleine Teelöffel. Zum umrühren ist der nicht gedacht, das ist verpönt. Der unbenutze Löffel wird in die leere Tasse gelegt, wenn man keinen Tee mehr möchte, ansonsten wird vom Gastgeber immer wieder nachgeschüttet.  Aber obacht, was haben wir gelernt? – Frühenstens nach der dritten Tasse!!!

Und jetzt Prost!

Pünte: handbetriebene Fähre

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