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Roadtrip Belgien Ostern 2025 – Teil 2

Weiter gehts im zweiten Teil unseres Belgien-Roadtrips 2025. Im Laufe des zweiten Teils wechseln wir auch von der Wallonie nach Flandern.

Dinant

18.04.2025 – Dinant, Ronquieres und Tournai

Recht früh purzel ich heute aus dem Bett, es ist so ruhig hier… Ah, es regnet nicht mehr, also Abfahrt nach Dinant. Eigentlich zur Besichtigung der Grotte de Dinant La Merveilleuse, aber es kommt dann doch ganz anders. Nach einer relativ kurzen Anreise, Redu liegt keine 50 km entfernt, planen wir aufgrund des sonnigen Wetters um. In der Höhle kann Moni ja leider nicht mitkommen und bei dem Wetter alleine im Wohnmobil ist auch blöd. Kurzerhand entscheiden wir uns für einen gemeinsamen ausgedehnten Stadtbummel und merken dabei nicht, das wir hier Schwarzparken. Vom Wohnmobil, das wir am Straßenrand in der Nähe des Bahnhofs abgestellt haben, geht es ein paar Meter weiter geradeaus und dann direkt an die Maas und Richtung Ortsmitte. Optisch macht der Ort schon was her, liegt er doch wunderschön zwischen Felsen im Tal der Maas, aber was für eine Menge Touris hier. Na gut, ist ja auch die Geburtsstadt von Alphonse Sax. Der ist hier allgegenwärtig, bzw. nicht er sondern seine Erfindung das Saxofon. Ich weiß gar nicht wie viele davon hier in allen Formen und Varianten rumstehen, aber es ist eine nicht gerade kleine 2-stellige Anzahl.

Sehr sehenswert ist die Stiftskirche Notre-Dame, die im 13. Jahrhundert direkt vor den Felsen gebaut wurde. Ganz spontan entscheiden wir uns anschließend für eine Besichtigung der Zitadelle. Man kann direkt hier von der Kirche per Treppe oder Drahtseilbahn nach oben kommen. Nicht ganz günstig, machen wir aber trotzdem. Belohnt werden wir mit einem imposannten Blick, hier 100 Meter über der Stadt. Aufstieg oder Auffahrt lohnt sich. die Zitadelle müssen dann leider Maya und ich alleine besichtigen, da es für Moni hier oben zu hügelig ist. Absolutes Highlight hier der abgerutschte Bunker. Durch einen Bombentreffer 1944 ist ein Teil des Hanges abgerutscht und der Bunker ist mit 20% Schieflage erhalten geblieben. Sich dadurch zu bewegen ist schon ein aussergewöhnliches Erlebnis. Obwohl ich doch eher zu den schwindelanfälligen Leuten gehöre komme ich hier unfallfrei durch. Irgendwo im Museum steht übrigens, das der Bunker im ersten Weltkrieg künstlich als Touristenatraktion angelegt wurde. Im Internet findet man aber nur die Variante mit dem Bombentreffer. Was jetzt richtig ist, weiß ich nicht, ist aber auch egal. Der Ort und das Erlebnis sind einfach genial.

Bevor unsere Fahrt jetzt aber weitergeht, noch die Auflösung bezüglich des Schwarzparkens. Auf dem Rückweg gehen wir direkt an der Straße lang und nicht mehr an der Maas. Komisch, hier stehen überall Parkautomaten, die wir bei der Anfahrt aufgrund der ganzen geparkten Fahrzeuge gar nicht gesehen haben und dort wo wir parken ist auf den ersten Blick auch kein Automat sichtbar. Sorry Dinant, hier haben wir wohl die Parkgebühren gespart.

Funfact aus Dinant, der „Zahnbrecherkeks“.  Hier gibt es den Couque de Dinant, ein steinharter Keks, an dem man sich im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeißt. Entweder kleineste Stücke wie Süßigkeiten einsaugen oder in ein heißes Getränk tauchen, andere Möglichkeiten gibt es nicht. Der Keks stammt aus dem Mittelalter und besteht ausschließlich aus Weizenmehl und Honig.

hier gehts hoch

Bevor wir die nächste Stadt anfahren, machen wir noch einen Schlenker ins Landesinnere, wir wollen uns hier noch zwei aussergewöhnliche Bauwerke ansehen. Somit ist Ronquieres unser nächsten Ziel. Hier gibt es ein großes Schiffshebewerk, das, zwischen 1962 und 68 gebaut, 14 Schleusen ersetzt. Was für ein imposantes Bauwerk. Die Schiffe werden hier mittels Schienen in einem riesigen Trog runter- bzw. hochgezogen. Die schiefe Ebene hat eine Länge von 1,4 km und überwindet dabei einen Höhenunterschied von knapp 68 Metern. Die genauere Technik wird sehr gut bei Wikipedia erklärt. Wenn man hier in der Nähe ist unbedingt ein Besuch wert.

Das zweite Bauwerk ist das elektromechanische Schiffshebewerk Strépy-Thieu, das als eines der größten Schiffshebewerke der Welt und das größte Europas gilt. Aufgrund einer ungünstig liegenden Baustelle ist die Anreise mit einem breiten Wohnmobil nicht ganz so einfach, aber in der Wallonie gehött bei so einem Fahrzeug Mut zur Lücke zwingend dazu. Was für ein riesiger Aufzug. Leider ist aktuell keines der im Schnitt täglichen 20 Schiffe da, die diesen Aufzug benutzen. Es gibt auf Führungen durch das Bauwerk, auf die wir aus Zeitgründen aber verzichten mussten. So ein aussergewöhnliches Bauwerk muss man mal gesehen haben.

Da uns die Freistehplätze, die uns Park4night hier in der Nähe vorschlägt, nicht so zusagen, reisen wir schon zu unserem morgigen Ziel weiter, Tournai, der vorerst letzte Stopp in der Wallonie. Der Stellplatz liegt mitten in der Stadt etwas ausserhalb der Altstadt. 12 Plätze auf Asphalt für 8€ die Nacht und vorbuchbar. Super, vielen Dank an die Stadt Tournai für diesen zentralen und bezahlbaren Platz.

Aufzug für Schiffe

19.04.2025 -Tournai

Heute wird das Wetter klasse, so quäle ich mich schon um 7:00 Uhr aus dem Bett und sitze 7:20 Uhr auf dem Drahtesel. Habe zwar die letzten Tage zwischendurch auch immer mal ein paar Caches gemacht, aber heute steht die erste große Runde an. Habe mir eine schöne Route etwas ausserhalb von Tournai ausgesucht. So bin ich gute 3,5 Stunden unterwegs. Hat Spaß gemacht. Nach einem verspäteten Frühstück geht es dann mit Moni eine Runde durch die Altstadt. Leider ist aktuell irgendein Markt, so kommt der schöne Marktplatz leider nicht ganz so zur Geltung. Die Kathedrale Notre-Dame de Tournai zählt zu den bedeutenden kulturhistorischen Monumenten in Westeuropa und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von aussen echt imposant und riesengroß, die gesamte Kirche hat eine unvorstellbare Länge von 134 m, von innen aber eher enttäuschend. Im Moment ist allerdings auch der komplette hintere Teil zwecks Renovierung eingerüstet. Die Altstadt insgesamt ist aber sehr sehenswert und kommt nachmittags, als der Markt vorbei ist, auch richtig gut zur Geltung. Da ich heute so richtig im Cachingfieber bin, fahre ich abends nochmals los in die Altstadt und absolviere noch drei Labcaches. Ist in französisch nicht ganz so einfach, mit Deepl aber durchaus möglich.

Tournai ist übrigens die älteste Stadt Belgiens, gegründet von den Römern um 50 n. Christus  und besitzt ebenfalls den ältesten Belfried Belgiens aus dem 12. Jahrhundert. Funfact: Die Stadt mit den 5 Glockentürmen (genauso viele hat die Kathedrale) ist die einzige belgische Stadt, die einige Jahre unter englischer Herrschaft stand.

zwei Türme der Kathedrale

20.04.2025 – Ypern

Bei Dauerregen geht es heute weiter nach Ypern in Flandern. Hauptgrund dieses Stopps ist „The Last Post“, was wir uns unbedingt anschauen wollen. Im Laufe des Tages zeigt sich allerdings, das ich Ypern kolossal unterschätzt habe. Die Innenstadt toppt Tournai nochmal deutlich, zudem ist diese Gegend bezüglich des 1. Weltkrieges leider sehr geschichtsträchtig, das war uns vorher überhaupt nicht bewusst. Aber der Reihe nach. Wenn man zentrumsnah übenachten möchte, kommt leider nur Urban Gardens in Frage. Dort kann man vor dem eigentlichen Campingplatz stehen, mit 33,00 € pro Nacht auch recht teuer und auch leider erst ab 13:00 Uhr verfügbar. So gibts heute eine Premiere. Wir parken eine Stunde direkt über der Autobahn auf einer Brücke mit Parkstreifen um die Zeit zu überbrücken, denn ich schrieb ja schon, es kommt Wasser von oben. Aber der weitere Wetterbericht für heute verspricht deutliche Besserung.

Nachdem wir uns auf dem Platz angemeldet und geparkt haben, geht es, noch mit Schirm, gleich los in die Stadt und die einfach nur wow. Hier fühlen wir uns gleich sauwohl. Sehr urig, aber auch nicht zu groß. Schade das wir morgen schon weiter müssen, aber an der Nordsee haben wir den Stellplatz doch lieber vorab reserviert. Aber ist auch nicht schlimm, so haben wir einen Grund die nächsten Jahre nochmal herzukommen. Aber knapp 24 Stunden haben wir ja noch. Beim Bummeln fällt uns ein blumiges Cafe auf, das Flower-Cafe. So allgemein ist Kitsch ja nicht unbedingt unser Ding, aber kitschige Cafes? Da stehen wir drauf. Volle Empfehlung wenn ihr mal in der Nähe seid.

Nach einer kleinen Cachingtour zwischendurch geht es dann abends los zu „The Last Post“. Seit dem 1. Mai 1928, täglich pünktlich um 20:00 Uhr wird im Menenpoort (Gedenktor) „The Last Post “ gespielt. Die Tradition erinnert an die Gefallenen des Commonwealth im 1. Weltkrieg. Die Zermonie wurde nur während des 2. Weltkrieges unterbrochen und seitdem über 30.000 mal durchgeführt. Sehr bewegende Minuten… Auch das Tor an sich ist nicht nur aufgrund seiner Größe beeindruckend. Im inneren des Tores stehen die Namen von 54.896 Vermissten der 4 Flandernschlachten, denn das wussten wir bis dato auch nicht, von den knapp 10 Millionen gefallenen Soldaten, sind allein bei den Schlachten bei Ypern über 550.000 Menschen ums Leben gekommen.

Meenenport

21.04.2025 – Ypern und Middelkerke

Dieses grausame Thema lässt uns nicht los. Deshalb planen wir den Vormittag um und ich besuche mit Maya das In Flandern Field Museum hier in Ypern. Ein multimediales Museum über den 1. Weltkrieg, sogar das meistbesuchte Museum über den 1. Weltkrieg in ganz Belgien. Mir ging es bisher immer so, das ich mich eher mit dem 2. Weltkrieg beschäftigt hatte, wie mit dem 1., dabei ist der 1. Weltkrieg genauso schlimm und grausam gewesen und gehört ebenso zu der deutschen Geschichte mit der man sich auch auseinandersetzen sollte. Für das Museum sollte man sich aber ein bisschen Zeit mitnehmen. Leider ist Ypern auch noch wegen einer weiteren Grausamkeit bekannt. Am 22. April 1915 setzen die deutschen Soldaten hier auf den Schlachtfeldern das erste Mal Giftgas ein.

Wenn man das Museum besucht, kann man für 2 € extra auch den hier integrierten Belfried besteigen. Heute am Ostermontag hat sich das besonders gelohnt. Es gibt hier ein Glockenspiel, das regelmässig per Computersteuerung abgespielt wird. Als wir den Turm besteigen hören wir wunderschöne Klänge, die gar nicht aufhören. Also wir fast oben sind, stellen wir fest, heute wird sogar live gespielt und die einzelnen Glocken werden alle von Hand bedient.

Bevor es nach Middelkerke geht, wollen wir uns eigentlich noch originale Schützengräben anschauen, da es über Nacht aber ordendlich geregnet hat, lassen wir das sein und machen noch einen Abstecher zum größten Commenwealth-Soldatenfriedhof der Welt, dem Tyne Cot Cemetry. Unfassbare 11.965 Soldaten sind hier begraben, davon 8.369 namentlich unbekannte.

Tief bewegt von diesem Vormittag machen wir uns jetzt auf den Weg an die Nordseeküste nach Middelkerke und beschließen den Tag mit einer kleinen Spazierrunde an der Nordsee.

zuviele Grabsteine

Fakten Teil 2: Fritten, Bier und Schokolade

Belgien ist mit etwa 30.000 km² ein eher kleines Land, soll laut diverser Quellen aber fast 5.000 Frittenbuden haben. Dazu kann man dann, wenn man denn mag, auch eines der über 1.500 verschiedenen Biersorten probieren, für ein so kleines Land schon sehr viele. Belgien ist aber auch die Heimat vieler Comichelden. Wusstet ihr das Tim und Strupi, Lucky Luke und auch die Schlümpfe belgischen Ursprungs sind?

Und noch ein interessanter Fakt für alle Süssen unter euch, Belgien gilt als weltweit größter Schokoladenproduzent und ist für seine erstklassige Qualität bekannt. Das konnten wir ja selbst auch testen und bestätigen.

Und zum Abschluss der Fakten, wer noch ein bisschen Kleingeld übrig hat, Belgien ist weltweit führen im Diamantenhandel. 80% der weltweiten Rohdiamanten und 50% der geschliffenen passieren irgendwann die Diamantenhauptstadt der Welt Antwerpen.

Dinant von oben

coming soon… Teil 3

Teil 2 endet hier. In Kürze geht es mit der Nordsee weiter.

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