Fulda und der Weihnachtsmarktoverkill

Eines Tages im Sommer… oh, hier ist ja noch ein Hotelübernachtungsgutschein von Kolping anlässlich 25-jähriger Mitgliedschaft, der bis Jahresende 2025 eingelöst werden muss. In akzeptable Reichweite bleiben drei Häuser übrig, Hannoversch Münden, Cuxhaven und Fulda. Auf Hannoversch Münden haben wir nicht so wirklich Lust, Cuxhaven ist für dieses Jahr nichts mehr frei, in Fulda gibt es noch einen freien Zeitslot vom 5. – 7. Dezember. Nehmen wir!

Was kann man im Dezember wohl in Fulda unternehmen? Ich bin zwar eher ein Weihnachtsmuffel, aber ein paar Weihnachtsmärkte hier in Hessen abklappern ist wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee und dank Avanti on Tour mit seiner Ossitour fällt uns eine Woche vor Abfahrt auch noch ein weiterer interessanter Spot vor die Füße, nur knapp 25 km von Fulda entfernt. Damit steht jetzt der komplette Wochenendplan, Bildung, Weihnachtsmarkt und ein Weltrekord stehen uns bevor.

Weihnachtspyramide Fulda

07.12.2025 – Anreise mit Hindernis

Knapp 200 km Anreise, Hoteleinbuchung ab 15:00 Uhr möglich und vorher noch Sightseeing, dann können wir ja ganz entspannt machen. Somit geht es gegen 10:30 Uhr los auf die Autobahn. Nach knapp 40 km werden wir aber jäh ausgebremst und stehen direkt im Stau. Knapp 8 km vor uns ein brennender LKW. Diese unfreiwillige Unterbrechung kostet uns über 1 Stunde, aber glücklicherweise ist scheinbar nur der Trailer in Brand geraten und somit dürften auch keine Personenschäden zu beklagen sein.

Gegen 14:00 Uhr kommen wir dann an unserem ersten Ziel an, Point Alpha, der heißeste Punkt des Kalten Krieges. Das war ein zentraler US-Beobachtungsposten an der innerdeutschen Grenze zwischen Rasdorf in Hessen und Geisa in Thüringen. Er lag im Fulda Gap, dem erwarteten Hauptangriffsweg des Warschauer Pakts gegen die NATO. Heute dient die Stätte als Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte, die die Teilung Deutschlands greifbar macht. Seit 1965 nutzte die US Army das Gelände mit bis zu 40 Soldaten im Normalbetrieb und bis zu 200 in Krisen. Beobachtungstürme aus Holz (1968), Stahl (1982) und Beton (1985) ermöglichten Überwachung und Funkabhörung. Nach dem Abzug der US-Truppen 1991 rettete eine Bürgerinitiative die Anlage vor dem Abriss; seit 2008 trägt die Point Alpha Stiftung die Verantwortung. Man erkundet hier das originale US-Camp mit Ausstellungen zu Kalten Krieg und Alltag, rekonstruierte DDR-Grenzanlagen sowie das „Haus auf der Grenze“ mit Dauerausstellungen. Ein Besuch lohnt sich für Geschichtsinteressierte – die authentischen Relikte regen zum Nachdenken über Freiheit und Teilung an.

Gegen 16:00 Uhr kommen wir dann am Parkhotel Fulda an und machen uns nach einer kurzen Ruhezeit auf in die Stadt, Teil 1 unserer Weihnachtsmarktmission. Der 1. Teil gefällt uns schonmal richtig gut. Die Altstadt von Fulda ist wunderschön und in den urigen Gassen verstecken sich verschiedene Themenmärkte, Traditioneller Weihnachtsmarkt, Winterwald, Mittelalterliches Weihnachtsdorf, Weihnachtlicher Regio’Markt und ein Kinderweihnachtsland. Alles wunderschön umgesetzt und illuminiert. Zuessen gibt es für mich Pult Beef Burger mit selbstgemachten Rotkraut und für Moni Handbrot mit Käse und Schinken. Als Nachtisch werden die Lücken noch mit Baumkuchen gefüllt. Würde mal sagen, gelungener kulinarischer Auftakt.

Wer kennt das noch?

08.12.2025 – Fulda, Schlitz, Bad Hersfeld, Alsfeld, Lauterbach

Nach einem sehr leckeren Frühstücksbuffet im Hotel machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Gestern zufällig gelesen, das es hier in Fulda ein ganz besonderes Ampelmännchen gibt und das wollen wir uns unbedingt noch anschauen. Rund um den Dom weist ein Heiliger den Passanten den Weg über die Straße. Ein Ampelmännchen in Gestalt des Bonifatius wacht über den Fußgängerüberweg. Bei Rot streckt er warnend sein Kreuz empor, bei Grün marschiert er mit seinem Hirtenstab los. 2019 montiert, galt die Genehmigung eigentlich nur bis Ende 2023, aber glücklicherweise ist diese wohl verlängert worden und wir werden weiterhin vom heiligen Bonifatius über die Straße geleitet. Und wenn wir schon mal hier sind, schauen wir uns auch noch die Marktkirche und den Dom von innen an.

Aber nicht zu lange aufhalten, wir haben doch noch eine Mission und heute ist Teil 2, 3 und 4 geplant. Also machen wir uns gegen Mittag auf in die mittelalterliche 5-Burgen-Stadt Schlitz. Dieser urige Ort auf dem Berg wartet zur Weihnachtszeit mit einem Weltrekord auf, die größte Kerze der Welt. Leider war sie zur Mittagszeit noch nicht entzündet. Auf dem Berg bedeutet allerdings Hindernis für Moni, so dass ich zwischendurch nochmal umdrehe und den Scooter aus dem Auto hole. Deshalb sind wir in Schlitz auch zur Mittagszeit. Wenn es hier heute im Dunkeln voll ist, ist das mit Scooter sicherlich nicht mehr zu machen. Jetzt um diese Uhrzeit alles noch easy. Der Weihnachtsmarkt ist eher klein, aber in sehr gemütlichem Ambiente.

Ziel der Mission Teil 3 ist eigentlich Bad Hersfeld, aber als wir an ein Straßenschild kommen, rechts Bad Hersfeld 25 km, links Alsfeld 23 km entscheiden wir ganz spontan um und biegen nach links ab. Wieso? Alsfeld hatten wir eh schon für irgendwann mal im Hinterkopf, da wir schon einige Youtubevideos von Leni und Toni über diesen Ort gesehen haben. Alsfeld ist eine 800 Jahre alte Fachwerkstadt im Vogelsbergkreis mit über 400 denkmalgeschützten Häusern aus sieben Jahrhunderten, die sie zur „Europäischen Modellstadt für Denkmalschutz“ machen. Das Wahrzeichen ist das prächtige Rathaus von 1512–1516 am Marktplatz, ein Meisterwerk des Fachwerks mit Türmchen und steilem Dach, das sogar auf Briefmarken verewigt wurde. Als Station der Deutschen Märchenstraße inspirierten die roten Häubchen der Schwälmer Tracht die Gebrüder Grimm wohl zum Rotkäppchen-Märchen; im Märchenhaus aus 1628 gibt’s Figuren, Puppenstuben und Erzählräume dazu. Der schnuckelige Weihnachtsmarkt befindet sich zentral auf dem Marktplatz. Obwohl nicht so groß, gibt es hier Langos, yeah. Das späte Mittagessen ist gesichert und das Langos ist echt spitze. Noch ein Tipp für den Cappuchino zwischendurch, Cafe Rahn seit 72 Jahren in urigem Ambiente in einem über 500 Jahre alten Hallenhaus.

Da es eh auf dem Rückweg liegt, stoppen wir noch in Lauterbach. Hier gibt es einen kleinen regionalen Weihnachtsmarkt im festlich geschmückten Hohhaus-Garten. Klein aber fein und viele Buden von den örtlichen Vereinen beschickt. Dadurch auch ein sehr angenehmes Preisniveau. Da das Langos ziemlich sättigt, gibt es hier nur eine Kleinigkeit, Kartoffeln mit Dip und alkoholfreie Warmgetränke, heißer Orangensaft, Apfelpunsch und Orangenpunsch. Das Weihnachtszeug für Moni und der Orangensaft ohne Weihnachtspanschereien ;-) für mich.

Weltrekord

09.12.2025 – Rückreise, Rotenburg an der Fulda

Nach einem ausgibigen Frühstück im Hotel geht es jetzt leider schon wieder in Richtung Heimat, zwei Nächte sind immer schnell vorbei, aber Halt, einen Zwischenstopp gibt es noch, es fehlt doch noch Teil 5 unserer Mission.

Rotenburg an der Fulda ist so eine Stadt, bei der man sich nicht sicher ist, ob man gerade in einem Historienfilm, einer Postkarte oder in einem sehr engagierten Instagram-Filter gelandet ist. Fachwerkhäuser lehnen sich aneinander, als hätten sie gestern Abend ein Glas zu viel Rotwein – passend zur „Roten“ im Stadtnamen. Der Weihnachtsmarkt an der Kirche ist allerdings eher klein, aber mit den schönsten Büdchen bisher. Sehen so ein bisschen nach Zwergenhäuser aus und die Weihnachtspyramide fällt auch ein bisschen aus dem Rahmen. Groß schnabulieren ist hier aber nicht mehr, das Frühstück lässt noch nicht viel Platz im Magen, daher gibt es nur ein paar, ganz frischen Quarkbällchen, sozusagen als Frühstücksnachtisch.

Anschließend gehts dann entgültig in Richtung Heimat, diesmal auch störungsfrei ohne LKW-Feuer und obwohl wir definitv Camper sind, ist so ein Hotelwochenende zu Zweit auch mal ganz nett.

Ach ja, und noch zwei Dinge die mir als Autofahrer hier in Hessen aufgefallen sind, die LPG-Gastankstellendiche ist hier deutlich dünner wie bei uns. Im Gegensatz dazu ist die Starenkastendichte umso höher, also Obacht beim fahren und immer schön die Höchstgeschwindigkeit einhalten.

Rotenburg an der Fulda

lustige und interessante hessische Fakten

  • Ortsnamen-Alarm: Stellen wie Linsengericht, Machtlos, Lieblos oder Böß-Gesäß klingen nach einer Kneipenwette – perfekt, um Kartenleser zum Kichern zu bringen.
  • Todesstrafe bis 2018: Stand in der Verfassung, wurde nie genutzt, aber erst kürzlich per Volksbefragung gestrichen – typisch hessisch bürokratisch.
  • Dickster Baum Hessens: Die „1000-jährige Linde“ in Reinborn hat 14,29 m Umfang – umarmen? Vergiss es, das braucht ein Seil und ein Team.
  • Größtes Apfelweinglas: 80 Liter im Hanauer Apfelweinzentrum – ein „Gerippte“ für Riesen, das selbst den durstigsten Apfelwein-Fan zum Nachdenken bringt.

gehen oder stehen?

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