Leer oder doch voll (cool)?
Unsere diesjährige Pfingstour steht an. Hoffentlich klappt das in Zukunft auch noch. Sobald die Temperaturen über 26 Grad steigen und die Sonne vom Himmel brennt, wird das mittlerweile für Moni schwierig. Nicht umsonst haben wir die Sommerferientouren schon letztes Jahr gestrichen und weichen auf Ostern und Herbst aus. Zukünftig werden wir noch mehr auf die (Sommer-)Randzeiten ausweichen, allerdings kein Wintercamping, dafür ist unser Wohnmobil eher nicht geeignet.
22.05. – 24.05. Leer
Wir reisen ganz entspannt am 22.05.2026 an. Losgefahren erst Mittags. Pfingsten und so spät losfahren? – Ja, wir rechnen damit, das viele nicht in Leer stranden, sondern eher weiter hoch fahren zur Nordsee. Dieser Plan geht auch voll auf und wir bekommen in Leer direkt an der Brücke zur Altstadt den vorletzten von knapp 10 Plätzen. Dies ist ein einfacher Platz ohne Strom und sonstige Annehmlichkeiten, aber kostenfrei für max. 3 Nächte und vielleicht 400 Meter von der Altstadt entfernt. Danke an Leer für diesen Stellplatz. Mitten in der Stadt gibt es übrigens noch einen weiteren Stellplatz.
Die Altstadt von Leer ist echt der Hammer, superschön und urgemütlich mit vielen kleinen inhabergeführten Geschäften. Hier kann man es sich schon gutgehen lassen. Sehr empfehlenswert ist auch der große Wochenmarkt, auf dem wir uns mit einigen Köstlichkeiten aus der Region eingedeckt haben. Im neuen Teil der Fußgängerzone gibt es sogar einen Selbstbedienungs-Combi, der so genannte cBox Leer,der jeden Tag von 07:00 bis 21:00 Uhr offen hat. Der Eintritt ist nur mit giro- oder Kreditkarte oder der Leeraner Moin Card möglich. Man sucht sich dann selbst alles zusammen und zahlt bargeldlos mit Selbstscannung. Neben Sushi gibt es hier alles Grundnahrungsmittel und nicht nur die teuren Markenprodukte, sondern auch die günstige Eigenmarke. Echt ein cooles Konzept.
Übrigens, der nächste Abschnitt über Leer ist KI-generiert, fasst den Charme von Leer aber super zusammen.
Leer: Die Stadt, in der jede Straßenecke ein Tatort ist
Willkommen in Leer, dem „Tor Ostfrieslands“ – wo der Tee stärker ist als der Wind und der Wind stärker ist als alles andere.
Irgendwo zwischen Ems und Leda, eingeklemmt zwischen Deichen, Möwen und einer unerschütterlichen Überzeugung, dass Tee das einzig wahre Getränk der Menschheit ist, liegt Leer. Mit knapp 35.000 Einwohnern ist die Stadt nach Emden und Aurich die drittgrößte in Ostfriesland – was in Ostfriesland ungefähr so klingt wie „drittgrößtes Dorf in Bayern“. Aber urteile nicht zu früh. Leer hat nämlich etwas, was Emden und Aurich nicht haben: ein echtes Fernsehteam.
Der Name sagt alles (oder auch nicht)
Leer. Wirklich? Wer auch immer diesen Ortsnamen erfunden hat, war entweder ein Minimalist von Weltrang oder einfach nach einem langen Arbeitstag zu müde zum Nachdenken. Tatsächlich leitet sich der Name vom urgermanischen Wort „hlér“ ab – und das bedeutet: Weideplatz. Weideplatz! Die Stadt heißt also im Grunde „Wiese“. Chapeau. Da hat man Jahrhunderte Zeit gehabt, sich was Besseres auszudenken, und trotzdem dabei geblieben. Das nennt man Charakter.
Die Altstadt, die sich für was Besseres hält
Zugegeben, die Altstadt von Leer ist wirklich beeindruckend. Die historischen Bürgerhäuser, die alten Kirchen, das Waagegebäude am Waageplatz – alles so gut erhalten, dass Experten sie als die „wertvollste“ Altstadt der gesamten Region bezeichnen. Vier Burgen! In einer Stadt, die sich selbst „Weideplatz“ nennt. Die Haneburg zum Beispiel wurde 1570 vom Grafen Drosten Joest Hane gebaut – ein Mann, der offenbar so viel Geld hatte, dass er eine Burg nach sich selbst benennen musste. Bescheidenheit war wohl nicht das erste ostfriesische Aushängeschild. Wer lieber in Miniaturformat sightseeen möchte, wird das Leeraner Miniaturland lieben: Seit 2011 wird die gesamte Region im Maßstab 1:87 auf 1.500 Quadratmetern nachgebaut. Das ist der Traumurlaub für alle, die Ostfriesland mögen, aber keine Zeit für Deiche haben.
Tee, Tee und nochmal Tee
Kein Artikel über Leer wäre vollständig ohne den Tee. Im Bünting Teemuseum dreht sich alles um das Getränk, das ostfriesisches Lebensgefühl in sich trägt wie kaum ein anderes. Die Ostfriesen trinken pro Kopf mehr Tee als jede andere Region Deutschlands – und wer schon mal versucht hat, einem Ostfriesen einen Kaffee anzubieten, weiß, dass das ein soziales Wagnis ist, vergleichbar mit dem Vorschlag, beim Schützenfest Wasser zu trinken.
Friesland: die Krimiserie, die Leer zur Tatort-Hauptstadt macht
Und jetzt zum wichtigsten Kapitel. Seit 2013 wird die ZDF-Samstagskrimireihe „Friesland“ hauptsächlich in Leer gedreht – und seitdem weiß ganz Deutschland, wie die Rathausstraße in Leer aussieht. Inzwischen wurden sage und schreibe 24 Teile der Reihe hier produziert. Das bedeutet: Statistisch gesehen ist in der Leeraner Innenstadt mehr gemordet worden als in manchen echten Großstädten. Die Leeraner wirken trotzdem erstaunlich entspannt.
Was ist wo – und was ist gar nicht da? Hier kommt die große Enthüllung für alle, die schon mal eine „Friesland“-Folge geguckt und sich gedacht haben: „Das Polizeirevier sieht aber gemütlich aus.“
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Das Polizeirevier ist in Wirklichkeit die Stadtbibliothek – ein Gebäude, das im echten Leben Bücher beherbergt. Wer nach der Führung also zum „Revier“ pilgert, landet in der Belletristik-Abteilung.
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Insas Apotheke, wo in der Serie Pillen geholt und nebenbei Leichen seziert werden, ist in Wirklichkeit ein Imbiss namens „Frittenzeit“. Pathologen müssen draußen bestellen.
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Das Bestattungsinstitut Habedank ist ein Privatgebäude in der Kirchstraße – die Innenaufnahmen entstehen aber gemütlich im Studio in Köln. Immerhin konsequent: In Köln wird mehr drin als draußen gedreht.
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Der Hafen, der im Film so atmosphärisch rüberkommt? Kein Leeraner Hafen. Es ist der Hafen von Greetsiel – satte 50 Kilometer weiter nördlich. Leer hat durchaus einen Hafen, aber der war wohl nicht fotogen genug.
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Die Dünen- und Strandszenen? Norderney. Ebenfalls nicht Leer.
Kurzum: „Friesland“ ist eine Serie, die so tut als ob sie in Leer spielt, während die Hälfte der Drehorte verstreut zwischen Köln und der Nordsee liegt. Leer ist sozusagen das Model für das Cover, während das Buch woanders geschrieben wird.
Das Schöne ist: Die Stadt hat die Filmerei längst zur Attraktion gemacht. Es gibt offizielle Friesland Krimiführungen durch die Altstadt – mit Stadtführern, die einem genüsslich erklären, wo Kommissarin Süher Özlügül (gespielt von Sophie Dal) und ihr Kollege Henk Cassens (Maxim Mehmet) wieder in irgendwelche ostfriesischen Verwicklungen gestolpert sind. Empfehlenswert für alle, die nach dem Schauen der Serie unbedingt mal vor der echten Frittenbude stehen wollen.
Fazit: Leer ist alles, nur nicht leer
Leer ist eine Stadt mit echtem Charme, einer der schönsten Altstädte Niedersachsens, einem Miniaturland, einem Teemuseum und der zweifelhaften Ehre, der bekannteste fiktive Tatort Deutschlands zu sein – obwohl die Morde eigentlich woanders stattfinden. Wer das „Tor Ostfrieslands“ besucht, findet Backsteinhäuser, Möwen, starken Tee und mindestens eine Straßenecke, die er aus dem Fernsehen kennt.
Und falls jemand fragt, warum die Apotheke eine Pommesbude ist: Das ist Ostfriesland. Hier braucht man keine Erklärungen. Man braucht Tee.
24.05. – 26.05.2026 Alpaca Camping in Westoverledingen und halbe Schiffe
So, die KI hat jetzt Feierabend ;-), jetzt kommen wieder selbstverzapfte Texte.
Morgens erst noch eine kleine Cachingtour mit dem Fahrrad, anschließend noch ein letzter Spaziergang in der Stadt. Mit Monis Fischbrötchen, das klappt aber leider nicht, da alle Fischverkäufer ihre Läden noch zu haben. Also ab ins Wohnmobil und weiter. Die Entsorgung auf dem anderen Stellplatz in Leer klappt leider nicht Aufgrund einer defekten Entsorgungsstation, also fahren wir einen kleinen Bogen zu unserem nächsten Ziel über Weehner. Am dortigen Stellplatz, der wunderschön direkt am Kanal liegt, ist die Entsorgung dann problemlos möglich.
Mit unserem nächsten Stellplatz probieren wir mal was Neues aus. Auf Youtube zufällig in einem Reisevideo Alpaca Camping kennengelernt. Eine Community mit Stellplätzen überwiegend auf Bauernhöfen mit unterschiedlichen Ausstattungen und Preisen. Die Anmeldung ist grundsätzlich kostenfrei, es gibt aber auch eine Premiummitgliedschaft für 49€ pro Jahr, aktuell sogar nur 24,90€. Ob man die dann wirklich braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Unser Übernachtungsplatz auf einem Hof in Westoverledingen ist auf jeden Fall ein Volltreffer. Für zwei Nächte stehen wir auf einer Wiese zwischen Büschen hinterm Haus der Hausbewohner. Es gibt sogar einen SB-Hofladen mit tollem selbstgebacken Kuchen, Currywurst und Bolognese von Gallowayrindern und weitere Leckereien. Für herzhafte Typen gibt es z. B. ostfriesische Pumpernickeltorte und für die Süßen unter uns eine geniale Donauwelle.
Für Nachmittags haben Maya und ich uns auf der Meyer Werft in Papenburg für eine Besichtigung angemeldet. Sind vom Stellplatz mit dem Fahrrad nur 10 km. Dort haben wir mit unserem Guide Hella eine kurzweilige und sehr humorvolle Werksführung.
Hier ein paar interessante Fakten zur Werft:
- Sie wurde 1795 von Willm Rolf Meyer gegründet.
- Nachdem die ersten 77 Jahre ausschließlich Holzschiffe gebaut wurden, stellte die Werft ab 1872 nach und nach auf Eisenschiffbau um. Die Papenburger fanden das ziemlich verrückt, Eisen soll schwimmen?
- Über 60 Kreuzfahrtschiffe sind schon in Papenburg entstanden, dieses Jahr allerdings keines, dafür nächstes Jahr wieder zwei.
- Um in die Nordsee zu kommen, müssen alle Schiffe knapp 40 km über die Ems und das ist teilweise extrem eng.
- Die Kreuzfahrtschiffe fahren i.d.R. rückwärts von Papenburg bis zur Nordsee, da rückwärts besser manövriert werden kann
Abends schmeißen wir noch den Grill an und am Dienstag geht es dann gegen 8 Uhr morgens auf den Heimweg, da der Tag ziemlich heiß werden soll.







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