Stade und Altes Land
Glück gehabt :-) Das Wetter ist über Fronleichnam nicht so hitzig wie Pfingsten, so dass wir wieder auf Tour gehen können. Diesmal gehts von Mittwochabend bis Montag in ähnlicher Richtung nach Stade ins Alte Land. In dieser schönen Gegend waren wir vor über 10 Jahren schon einmal, deshalb wird es jetzt mal wieder Zeit.
03.06.2026 Hörst du die Wölfe heulen?
Heute Abend starten wir – Richtung Stade! Aber wie so oft bei deutschen Autobahnplänen: Unser Zuhause liegt schon in einer Zone, die sich „vollgesperrt“ nennt. Die Autobahn? Umfahren. Aber wir sind erfahrene Motorhome-Piloten und kennen das: Umleitung durch OWL, vorbei an Feldern und durch Ortschaften, deren Namen wir nur aus dem Geocaching kennen.
Unser erster Übernachtungsstopp: Wolfscenter Dörverden. Und wir wollen sie hören, das Heulen, das schaurig-schöne, gänsehautproduktionische Wolfskonzert. Noch ist alles ruhig, aber man hat das Gefühl, dass hinter jedem Gebüsch jemand sitzt und uns kritisch mustert – vermutlich mit besserem Orientierungssinn als unser Navi. Aber jetzt in der Dämmerung fangen die Wölfe lautstark und wirklich sehr beeindruckend an zu heulen. Eventuelle weitere Heulversuche nachts haben wir gekonnt überschlafen und sind morgens auch noch vollzählig.
04.06. – 05.06.2026 Stade
Zwei Nächte am Schiffertor – zwischen Kumpir, Koordinaten und Kaffeeduft
Es gibt diese Orte, die fühlen sich direkt richtig an. Nicht spektakulär im Sinne von „Wow, Instagram explodiert gleich“, sondern eher so: ankommen, Tür auf, tief durchatmen und denken – jo, hier bleiben wir jetzt erstmal. Genau so war’s bei unserem kleinen Zwischenstopp am Wohnmobilstellplatz am Schiffertor.
Der Platz selbst? Solide, praktisch, tut was er soll. Kein Schnickschnack, aber genau das macht ihn irgendwie sympathisch. Außerdem: perfekte Ausgangslage. Einmal kurz orientiert, Schuhe geschnürt – und ab in die Stadt.
Altstadtflair und erste Fundstücke
Die Altstadt hat direkt geliefert. Kopfsteinpflaster, hübsche Fassaden und diese typische Mischung aus Touri-Flair und „hier wohnen wirklich noch Leute“. Wir haben uns treiben lassen – also zumindest theoretisch. Praktisch lief im Hintergrund natürlich immer das Geocaching-Gehirn mit: „Da vorne könnte was sein…“ – „Hast du die Koordinaten schon?“ – „Warte, ich glaub, das ist ein Nano.“
Zwischen zwei Caches landeten wir dann ganz klassisch in einem Café draußen. Sonne im Gesicht, Kaffee in der Hand, leichtes Stimmengewirr um uns herum – genau dieser Moment, wo man merkt: Das ist der Grund, warum wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Kein Zeitdruck, kein Plan, einfach nur genießen. (Okay, und heimlich die nächsten Caches planen.)
Tag zwei: Mission Kumpir
Am nächsten Tag stand ein kulinarisches Highlight an, das wir schon fest eingeplant hatten: Potato Kumpir. Und ich sag’s direkt – absolut zurecht. Wer noch nie eine Ofenkartoffel in der Größenordnung „kleines Raumwunder“ gegessen hat, sollte das dringend nachholen.
Beladen mit allem, was das Herz begehrt – von knackigem Salat bis zu gefühlt fünf verschiedenen Toppings – saßen wir da und haben uns gefragt, warum normale Kartoffeln eigentlich so langweilig sein müssen. Klare Empfehlung: hungrig hingehen. Sehr hungrig.
Hafenrunde und der Multicache am Abend
Am Abend ging’s dann nochmal raus – eine kleine Runde Richtung Hafen. Die Stimmung war komplett anders als am Tag: ruhiger, ein bisschen kühler, fast schon entschleunigt. Genau die richtige Atmosphäre für einen Multicache.
Und mal ehrlich: Multicaches sind ja immer so eine Sache. Entweder man fühlt sich wie ein Detektiv auf heißer Spur – oder wie jemand, der verzweifelt versucht, eine Aufgabe zu lösen, die scheinbar von einem sehr kreativen Menschen mit viel Freizeit erdacht wurde. In unserem Fall: eine gesunde Mischung aus beidem.
Station für Station haben wir uns vorgearbeitet, zwischendurch immer wieder mit diesem leichten Zweifel: „Sind wir hier richtig?“ – und am Ende natürlich doch belohnt worden. (Und ja, das Gefühl ist jedes Mal wieder gut.)
Fazit: Einfach machen
Zwei Nächte, ein Stellplatz, viele kleine Erlebnisse – genau so mögen wir das. Kein großes Programm, keine „Must-see“-Liste, sondern einfach losziehen, entdecken und zwischendurch gut essen.
Der Stellplatz am Schiffertor war dafür die perfekte Basis. Und die Kombination aus Altstadt, Café, Geocaching und Kumpir? Schwer zu schlagen.
Manchmal sind es eben genau diese unkomplizierten Trips, die am meisten hängen bleiben.
06.06.2026 Assel und große Rad- bzw. Scootertour
Assel, Ahoi! Zwischen Mini-Hafen, Maxi-Tour und geduldiger Begleitung
Manchmal sind es genau die Orte, bei denen man beim Ankommen denkt: „Hier ist nix los“ – und fünf Minuten später merkt: „Genau deshalb ist es perfekt.“ Willkommen in Assel.
Der Stellplatz? Klein, gemütlich, fast schon familiär. Der Hafen daneben? Nennen wir ihn… überschaubar. Aber genau das macht den Charme aus. Kein Trubel, kein Gedränge, nur ein bisschen Wasser, ein paar Boote und ganz viel Ruhe. Kurz gesagt: ein Ort zum Runterkommen. Oder – realistischerweise – zum Akku aufladen für die nächste leicht überambitionierte Tour.
Große Pläne auf zwei Rädern (und Rollen)
Denn natürlich blieb es nicht beim „Wir sitzen einfach nur rum und genießen die Aussicht“. Nein, heute stand eine große Runde an: rechts Richtung Festung Grauerort, dann einmal quer rüber und links weiter bis Krautsand. Klingt entspannt – ist es auch… solange man nicht auf die Idee kommt, zwischendurch noch „nur schnell ein paar Caches“ mitzunehmen.
Spoiler: Auf die Idee kommt man natürlich.
Also ging’s los – bestens ausgerüstet mit Fahrrädern bzw. Scooter, guter Laune und der festen Überzeugung, dass das alles „locker machbar“ ist. Die Strecke entlang der Elbe liefert dabei konstant: Deich, Wasser, Schiffe und dieser typische Norddeutschland-Vibe, bei dem man automatisch ein bisschen langsamer wird.
Zwischen Koordinaten und Kommentaren
Und dann ist da natürlich noch das Geocaching. Also MEIN Geocaching. Meine Frau begleitet das Ganze… sagen wir mal… mit bewundernswerter Geduld.
„Da vorne müssen wir runter.“
„Warum?“
„Da ist ein Cache.“
„Natürlich ist da ein Cache.“
Ich suche, sie wartet. Ich rechne, sie verdreht die Augen. Ich finde – und plötzlich ist alles wieder gut. Ein System, das sich über die Jahre erstaunlich gut eingespielt hat.
Drochtersen: Döner als Etappensieg
Irgendwann meldet sich dann der Hunger – und damit der perfekte Zeitpunkt für einen strategisch extrem wichtigen Zwischenstopp: Drochtersen.
Und was soll ich sagen: Dieser Döner hatte genau das richtige Timing. Nach Kilometern parallel am Deich, mit leichtem Gegenwind und wachsender Cache-Ausbeute schmeckt so ein Ding einfach doppelt gut. Knackig, saftig, genau das, was man braucht, um sich einzureden: „Die zweite Hälfte der Strecke wird ein Spaziergang.“
(Wird sie natürlich nicht. Aber mit Döner im Bauch fühlt es sich zumindest kurz so an.)
Zurück Richtung Assel
Der Rückweg führte uns schließlich wieder zurück Richtung Assel, vorbei an weiten Landschaften, ruhigen Abschnitten und – Überraschung – noch mehr Geocaches. Man kann ja schlecht einfach dran vorbeifahren.
Am Ende des Tages rollten wir wieder am kleinen Hafen ein. Ein bisschen müde, ziemlich zufrieden und mit dem guten Gefühl, den Tag genau richtig genutzt zu haben.
Fazit: Klein, ruhig, genau richtig
Assel ist kein Ort für große Highlights – und genau das ist sein größter Pluspunkt. Stellplatz, Hafen, Deich, Ruhe. Mehr braucht’s manchmal nicht.
Außer vielleicht ein paar gut platzierte Geocaches… und einen richtig guten Döner.
Und ja – meine Frau fährt morgen bestimmt wieder mit.
07.06.2026 Apfeloverflow
Jork zum Abschluss – zwischen Apfelbäumen, Alleingängen und asiatischem Finale
Letzter Stopp: Jork. Mitten im Alten Land, umgeben von Obstplantagen, Apfelbäumen und gefühlt mehr Verkaufsschildern als Einwohnern. Architektonisch? Sagen wir mal so: Die Häuser stehen da. Aber darum geht’s hier auch nicht.
Denn Jork punktet mit ganz anderen Qualitäten – und die hängen ziemlich häufig an Bäumen.
Apfel, Apfel, noch mehr Apfel
Egal in welche Richtung man schaut: Plantagen. Reihenweise. Perfekt geschniegelt, geschniegelt und geschniegelt – als hätten sich die Bäume vorher abgesprochen. Dazwischen immer wieder Verkaufshöfe, kleine Buden und Bauernhofcafés, die einem subtil (oder auch weniger subtil) zurufen: „Komm rein, iss Kuchen.“
Und ganz ehrlich: Widerstand ist zwecklos.
Hier ein Stück Apfelkuchen, da ein frisch gepresster Saft – und plötzlich hat man das Gefühl, man müsste sich eigentlich sportlich betätigen, um das alles zu rechtfertigen. Was mich natürlich direkt zu meinem persönlichen Tagesprogramm bringt.
Caching im Solo-Modus
Während sich meine bessere Hälfte noch sehr verdient von der gestrigen Mammut-Tour erholt („Ich bleib hier. Wirklich.“), zieht es mich – völlig überraschend – nochmal los.
Alleine cachen ist übrigens eine ganz eigene Erfahrung. Niemand, der fragt „Muss das jetzt sein?“ oder „Wie lange dauert das noch?“ – dafür aber auch niemand, der die Taschenlampe hält oder bestätigt, dass das Versteck „wirklich fies“ war.
Also streife ich durch Jork und Umgebung, von Apfelbaumreihe zu Apfelbaumreihe, immer auf der Suche nach dem nächsten Logbuch. Und ja, natürlich sind die Dosen hier teilweise genau da versteckt, wo man sich denkt: „Das wäre ein super Versteck.“ Was es gleichzeitig wieder verdächtig macht. Ein ewiger Kreislauf.
Kulinarischer Abschluss mit Fernweh-Faktor
Am Abend dann der gemeinsame Teil des Tages – und gleichzeitig ein würdiger Abschluss der ganzen Tour: vietnamesisch essen.
Nach Tagen voller deutscher Klassiker, Snacks unterwegs und strategisch wichtigen Döner-Stopps fühlt sich das fast schon exotisch an. Frisch, leicht, aromatisch – genau das Richtige, um die Reise entspannt ausklingen zu lassen.
Wir sitzen da, lassen die letzten Tage Revue passieren und sind uns ziemlich einig: Das war genau die richtige Mischung. Ein bisschen Stadt, viel Natur, jede Menge Bewegung und natürlich – wie könnte es anders sein – Geocaching.
Fazit: Unaufgeregt gut
Jork ist vielleicht kein Ort, der einen sofort mit großen Sehenswürdigkeiten erschlägt. Aber genau das macht ihn zum perfekten Abschluss.
Ein bisschen ruhiger, ein bisschen genussvoller, ein bisschen langsamer. Und irgendwo zwischen Apfelbaum und Cache merkt man dann: Genau so darf sich das Ende einer Tour anfühlen.
Und jetzt? Heimfahren. Wahrscheinlich mit leicht erhöhtem Apfelkonsum und dem leisen Gedanken im Kopf: Wohin geht’s als Nächstes?








Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!